© 2017 Alfred Pfister
Baltikum 2009
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Reisebericht: Fredis und Gundels Wohnmobil-Ferien im Baltikum 17.05. bis 13.06.2009
Schon lange träume ich davon, entlang der Ostseeküste bis zu den Masuren zu fahren und vielleicht auch noch Litauen, Lettland und Estland kennen zu lernen. Siegfried Lenz ist einer meiner Lieblingsschriftsteller; seiner Heimat und einen Teil meiner eigenen Wurzeln nachzuspüren waren und sind immer noch Motivation. Doch manchmal kommt es anders als man denkt. Zufall oder Fügung: Mitten in unsere Pläne und Ferien schneit Fredi ein beruflicher Auftrag nach Posen in Polen herein, der ihn dort 14 Tage festhält. Am Freitag vor unserer Abreise kommt er per Flug von dort zurück; spätestens Mittwoch soll er wieder dort sein, um weitere Arbeiten zu erledigen. Also wird der Verlauf unserer Reise anders als geplant und wohl in umgekehrter Richtung erfolgen.
  Wir durchqueren die Altstadt bis zur Sebaldkirche, vorbei an vielen schönen Riegelbauten zum Albrecht-Dürer-Haus und hinauf zur Kaiserburg. Von hier aus haben wir einen herrlichen Rundblick auf den Teil innerhalb der Stadtmauern und weit darüber hinaus. Die Akazien verströmen einen betörenden Duft; treppab über die Pegnitz – die alte Holzbrücke ist leider gesperrt – entlang der Stadtmauer, die teilweise sogar renoviert ist und in den Mauern Wohnungen birgt, zurück zum WOMO. Unseren Hunger stillen wir aber vor der Weiterfahrt am chinesischen Buffet für € 6.50 pro Person! In Bayreuth machen wir einen kurzen Stopp – vor allem um den Stau zu umfahren, für Fredi Schuhe zu kaufen, da die klaffende Sohle seinen Fussmarsch behinderte! Bei Königstein in der sächsischen Schweiz finden wir fernab von touristischem Getriebe einen Campingplatz „Nikolsdorfer Berg“, mit richtig sächsischem Sprachniveau, „ossisch“ anheimelnden Wegplatten und Beton Zaunstützen zu einer Lichtung hin – eine umfunktionierte ehemalige LPG, sauber, ruhig und freundlich.
Montag 18.05.2009 Sirnach - Nürnberg Am Spitteler Tor vor der Altstadt Nürnbergs finden wir einen Parkplatz. Nirgends sind grüne oder gelbe Umweltplaketten gefragt, sodass wir uns hier ungeniert platzieren können. Wir durchqueren die Altstadt bis zur Sebaldkirche, vorbei an vielen schönen Riegelbauten zum Albrecht-Dürer-Haus und hinauf zur Kaiserburg. Von hier aus haben wir einen herrlichen Rundblick auf den Teil innerhalb der Stadtmauern und weit darüber hinaus. Die Akazien verströmen einen betörenden Duft; treppab über die Pegnitz – die alte Holzbrücke ist leider gesperrt – entlang der Stadtmauer, die teilweise sogar renoviert ist und in den Mauern Wohnungen birgt, zurück zum WOMO. Unseren Hunger stillen wir aber vor der Weiterfahrt am chinesischen Buffet für € 6.50 pro Person! In Bayreuth machen wir einen kurzen Stopp – vor allem um den Stau zu umfahren, für Fredi Schuhe zu kaufen, da die klaffende Sohle seinen Fussmarsch behinderte! Bei Königstein in der sächsischen Schweiz finden wir fernab von touristischem Getriebe einen Campingplatz „Nikolsdorfer Berg“, mit richtig sächsischem Sprachniveau, „ossisch“ anheimelnden Wegplatten und Beton Zaunstützen zu einer Lichtung hin – eine umfunktionierte ehemalige LPG, sauber, ruhig und freundlich.
Dienstag 19.05.2009 km Sachsen Leider haben wir in der Sächsischen Schweiz nicht so viel Zeit, wie wir eigentlich möchten. Man muss dieses Gebiet „erfahren“ (mit dem Velo) oder erwandern, um all die Naturschönheiten wirklich schätzen und geniessen zu können. Wir haben nur eine Nase voll genommen, da wir noch weiter nach Dresden und bereits ein Stück nach Polen hinein schaffen wollen.
So fahren wir mit dem Auto nach Königstein, Bad Schandau, hinauf nach Ostrau, um die markanten Tafelberge und Felsformationen wenigstens zu sehen,  nach Schmilka an der tschechischen Grenze bis Hinterhermensdorf, wo eine kleine Fähre nach Tschechien übersetzt, durchs Kirnitzschtal bis Sebnitz und Pillnitz. Anscheinend ist in dieser Region die NPD sehr stark. Sie wirbt auf Plakaten mit Sprüchen wie „Arbeit, Familie, Heimat“ oder „Ausländer raus – Feriengäste willkommen“. In Hohnstein halten wir unterhalb der Burg im Garten einer Schänke Mittagsrast und wandern durch das malerische Städtchen.
Später besuche ich das berühmte Schloss Pillnitz; Fredi wartet im WOMO, da wir keinen Parkplatz finden und hat Ärger mit dem sächsischen Parkwächter, weil er vor dem ausgeschilderten Parkareal steht. Über „das blaue Wunder“ (Brücke über die Elbe) erreichen wir bald darauf Dresden. Für Mitte Mai erstaunlich viel Touristengruppen mit Cars schon an der Elbe, doch wir finden einen Parkplatz, wie vorher ein WOMO; sie haben einen Zettel an die Scheibe geheftet „die Feuerwehr hat uns das Parkieren hier erlaubt“, toll – folglich auch uns! Nur zu Recht haben so viele berühmte Persönlichkeiten diese Stadt besungen und wird sie allmählich wieder aufgebaut, aber dies wird noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Die Frauenkirche erstrahlt in altneuem Glanz, auf dem riesengrossen Marienplatz laden Fiaker zu Stadtrundfahrten ein, Reisegruppen lassen sich die Geschichte erklären. – Ein Teil des Platzes ist immer noch abgezäunt, dahinter sind Steine gestapelt, die Fassade des Rathauses (Museums) ist verkleidet, dagegen ist das kleine Residenzschloss wunderschön restauriert und der Innenhof mit einer grossen Glaskuppel überdeckt. Semperoper und Schauspielhaus habe ich nur von aussen betrachtet – wir müssen ja weiter, da Fredi morgen in Posen erwartet wird, aber der Zwinger! Ist das ein Prachtbau! Ich bin total überwältigt. Ich bin hinaufgestiegen auf den Rundlauf um die Parkanlage, habe die Ein- und Ausblicke genossen, den Glockenspielturm bestaunt, das Skulpturenmuseum besucht, und auch die Skulpturen auf den Mauervorsprüngen studiert. Viele Figuren erglänzen in Gold, andere sind alt und schwarz, wieder andere nach Vorlagen neu erstellt.
Leider ist keine Zeit für das „Panometer Dresden“, und wenn nicht unsere Parkzeit abgelaufen wäre, hätte ich mich hier total vergessen können. Eine wunderschöne pulsierende Stadt; ein nochmaliger Besuch lohnt sich sicher. Nach unkompliziertem Grenzübertritt erreichen wir unseren ersten Campingplatz „440 Magnola“ in Polen bei Dyckow / Bronkow an einem kleinen See. Ausser den ersten Mückenschwärmen können wir einem Kuckuck zuhören und andere Wasservögel beobachten, eine friedliche Abendstimmung am See, da wir ganz alleine auf diesem Camping-Platz sind.
Mittwoch 20.05.2009 Dresden - Polen Relativ früh brechen wir nach Poznan auf. Unterwegs füllen wir an einem Autogas beide Gas-Flaschen (deutsche und schweizerische) ohne Komplikationen und für nur 80 pln auf. Um 11.45 Uhr sind wir in Tarnowa Podgorne, Hotel 500, das für uns reserviert ist und einen grossen Parkplatz für unser WOMO hat. Stromanschluss organisiert F durchs Fenster unseres Zimmers! Podgorne Tarnowe liegt rund 20 km von Poznan entfernt. Dafür hat F nur wenige Minuten zu seiner Firma. Er macht sich direkt auf den Weg, während ich den grossen Garten erkunde, ins Dorf im Lidl einkaufen gehe, eine Bank suche, um Zlotys einzutauschen, und mich an einem sonnigen Platz für Morgen auf einen Besuch in Poznan vorbereite. Im Hotel kann mir niemand sagen, wie das mit Fahrkarten für Bus und Tram funktioniert. Am Abend (das Essen im Hotel passt uns nicht) sitzen wir draussen vor dem nächsten Lastwagen-Motel und essen echt „polnisch“. Ich wage mich sogar an eine ukrainische Rotebeete- Suppe (Bortsch genannt), während Fredi mit Gulaschsuppe auf der sicheren Seite ist.
Donnerstag 21.05.2009 Posnan Fredi fährt mit dem Fahrrad zu seiner Firma. Ich mache mich auf den Weg nach Poznan: Mit dem Bus bis zur Endstation. Hier erfrage ich, mit welchem Tram ich zum Bahnhof komme, was ich auf dem Stadtplan zeige und laut Wörterbuch dworzec sage (ausgesprochen dworshetsch oder so ähnlich). Die Tramlinie Nr. 16 gibt es hier nicht. Weder deutsch noch englisch noch Kartenlesen können die Schaffner; ich erhalte 3 verschiedene Auskünfte 2, 17, 18. Ich wähle die 2, will im Tram bezahlen (wie vorher im Bus) doch das geht nicht „automatschki“; sch….; ich will wieder aussteigen, doch der Schaffner deutet mit einer resignierten Geste an, dass ich einsteigen solle. Nach den Kontrollen im Bus ist mir etwas mulmig, ich steige wohl deswegen zu früh aus und laufe ein ganzes Stück bis zum Bahnhof, wo ich 2 Citycards für 3 Tage erstehe. Fredis Trick, einsteigen, fahren, bis was Interessantes kommt, oder umsteigen, falls es die falsche Strecke war, bis Endstation fahren, um die Stadt in ihrem ganzen Ausmass kennenzulernen, dies erfahre ich von ihm erst am Abend. Jetzt, nur mit Stadtplan bewaffnet, laufe ich mir die Füsse wund: durch Parks über Riesen Kreuzungen, einmal noch in eine falsche Richtung, Strassennamen sind kompliziert zu entziffern, bis ich endlich die Fussgängerzone, den berühmten Marktplatz erreiche. Ich bewundere die goldene Barockkirche Maria Magdalena und das dreistufige Rathaus sowie die bunten Giebelhäuser mit Läden und Restaurants. Vor einem Restaurant sind sogar Strandkörbe aufgestellt; da lasse ich mich in einen hinein plumpsen, geniesse Eis und Kaffee und nehme die vielen Eindrücke auf: reges Treiben, Frauen, die auf dem Kopfsteinpflaster sicher mit Pfennigabsätzen geschäftig daher eilen, Männer in dunklen Anzügen, Familien mit Kindern in Freizeitkleidung, „dobre pitschkas“ im Notverband ihre Qualitäten präsentierend und überall patrouillierende Polizei und Sicherheitsbeamte. – Potemkin lässt grüssen, denn weiter weg in angrenzenden Strassen ist noch vieles verfallen und ärmlich. Nur die Kirchen sind farbig renoviert und gepflegt. Erstaunlich viele Besucher aller Altersklassen; die Beichtstühle sind besetzt, davor Warteschlangen. Es ist heute zwar Himmelfahrt aber in Polen kein gesetzlicher Feiertag. Langsam begebe ich mich Richtung Hotel Mercuri, wo ich Fredi am Abend treffen soll. Unterwegs besichtige ich die Franziskanerkirche, das Fürstenschloss, durchquere wieder gepflegte Parks, die zur Rast einladen, und unter dicken Buchen finde ich Schutz vor dem beginnenden Gewitterregen. Nach chinesischem Nachtessen, verschiedenen Tramfahrten vorbei am grössten Einkaufs- und Unterhaltungszentrum, am Maltasee, … genehmigen wir uns ein Bier in einer Kultspelunke in der Bahnunterführung und warten in strömendem Regen auf den letzten Firmenbus, der uns zurück nach Tarnowa bringt. Hier muss Fredi sein Fahrrad zum Hotel schieben, denn er hat am Morgen „einen Platten“ eingefangen, den Sturz Gott sei Lob aber gut überstanden. Wir kommen völlig durchnässt im Hotel an.
Freitag 22.05.2009 Posnan Draussen ist es kalt, stürmisch und regnerisch. Ich verbringe meinen Ruhetag mit Lesen, Spaziergang in der Umgebung und Tagebuch-Schreiben. Fredi hatte mich darauf vorbereitet, dass er auch am Samstag noch arbeiten müsse, da die Installation und Inbetriebnahme der Maschinen bei dem polnischen Arbeitseifer und behelfsmässigen Ausrüstungen nicht so schnell vorwärts gehen wie geplant. So glaubte ich, am Samstag noch einmal bei besserem Wetter nach Posen fahren zu können. Planänderung: Er steht um 18.00 Uhr plötzlich vor mir, “ich habe Sklaventreiber gespielt, jedem gesagt, was er zu tun hat. Jetzt habe ich Ferien!“ Wir gehen auf Empfehlung seines Dolmetschers ins Dorf essen. Ich bekomme meinen Fisch „in time“. Doch Fredis Pizza „frutti di mare“ ist nach einer halben Stunde noch nicht da. Ich reklamiere, „kommt gleich!“ 20 Minuten später die Erklärung, sie könnten die Pizza nicht machen, was anderes? Fredi verzichtet, er hat inzwischen 2 Biere intus = 2 Sandwiches. Durch strömenden Regen gehen wir ins Hotel zurück.
Samstag, 23.05.2009 Posnan - Masuren Bevor wir uns definitiv auf den Weg zu den Masurischen Seen machen, kaufen wir noch im Auchan Poznan gross ein. Auf dem Weg nach Torun machen wir in Gniesno einen Zwischenhalt, und ich besuche die älteste romanische Kirche in der Wiege des polnischen Staates und erstem Erzbistum. (Ursprünglich 970 entstanden, im 14. Jahrhundert gotisch an- und umgebaut.) Auch hier sind Restaurationsarbeiten im Gange, sodass nur teilweise Besichtigungen möglich sind. Auch hier dokumentieren Bilder vom Besuch Papst Johannes Pauls die grosse Zuneigung des polnischen Volkes zu „ihrem Papa“. Kurz vor Torun essen wir in einem heimeligen Restaurant fantastisch Mittag (Kalbshaxen). In Torun (UNESCO Weltkulturerbe auf Grund seiner Kirchen, Bürgerhäuser, Speicher und Wehrmauern) finden wir einen wunderschönen Marktplatz, die Johanniskirche. Hier ist Kopernikus geboren: sein Geburtshaus steht unterhalb des Marktes. Verschiedene Skulpturen und Denkmäler erinnern an ihn. „Er habe die Erde in Bewegung und die Sonne zum Stillstand gebracht.“ Bei Ostroda, direkt am Lekinem-See finden wir den Campingplatz „Stanica Woda“.
Sonntag 24.05.2009 Masuren Fredis Geburtstag; es ist ziemlich kalt. Deshalb stellen wir zum ersten Mal die Heizung an. Nach einem gemütlichen Frühstück geht’s weiter nach Olsztyn, wo man durch das hohe Tor die verkehrsberuhigte Altstadt betritt. Ein lebhafter Marktplatz mit seinen Bürgerhäusern, Marktständen und Restaurants lädt zum Verweilen ein. In der gotischen Jakobskirche, findet  gerade ein grosser Taufgottesdienst statt und mehr als Tausend Andächtige ermöglichen fast kein Durchkommen. Die trutzige Ordensburg beherbergt Museen, vor allem über das ausgestorbene Volk der Pruzzen. Kopernikus hat hier zweimal residiert, als er Burgverwalter von „Allenstein“ war. Jetzt befinden wir uns auf dem Weg zur Masurischen Seenplatte. Storchennester auf Häusern (meistens noch aus ostpreussischer Zeit; Holsteinische Häuser), in denen bereits die Jungen gefüttert werden, Klatschmohn am Wegesrand, holprige Wald- und Alleenstrassen führen uns über Malgrowo, Zgon, Utka nach Mikolaiki. Dies ist ein sehr attraktiver kleiner Hafenort , als Segler- und Kajak-Hochburg bekannt. Wir genehmigen uns ein Bier und schauen dem regen Treiben zu. Zum Campingplatz Wagabunda ist es jetzt nicht mehr weit. Dieser Platz ist sehr schön, unser Abendbrot entspricht als Geburtstagsessen aber nicht ganz den Vorstellungen: Das Entrecôte ist zäh und mein Spezialwein (Spanischer Grand Reserva, in Polen gekauft) sauer.
Montag 25.05.2009 Masuren Von Mikolaiki brechen wir nach Orzysz auf und fahren über Elk auf „grüner Strasse“ von Sedki über Pisanica nach Barglow. Diese einsamen, aber teilweise holprigen und schmalen Strassen haben es Fredi angetan. Sogenannte “deutsche Alleen“ mit Ausblick auf Seen, Landwirtschaft, kleine Bauerndörfer wechseln mit Waldabschnitten ab. Wir hoffen natürlich, ausser Störchen Wild zu begegnen, doch bis jetzt haben wir kein Glück. In Augustow kaufen wir ein und kochen auf einem Parkplatz die obligate wärmende Mittagssuppe. Wieder auf einer „grünen Strasse“ entlang dem Wigiersky Nationalpark geht’s nach Sejuy und auf der 653 nach Suwalki. Ausser klassizistischen Gebäuden aus der Zarenzeit hat der Ort nicht viel zu bieten, aber er ist Ausgangsort zu vielen der masurischen Seen, die durch Flüsse und Kanäle miteinander verbunden sind. Am grössten, dem Wigrysee suchen wir einen geeigneten Campingplatz. Drei der im Campingführer angegebenen sind leer; der unterhalb des Klosters reizt uns wegen der vielen Souvenirstände und Menschenmassen nicht. Weiter zum PTTK-Platz bei Stary Folwark, der ebenfalls leer und recht schmuddelig und verfallen aussieht. Schlussendlich entscheiden wir uns für ein „Naturcamping“ bei einem Bauernhof an einem kleineren See ohne WC, Dusche, nur Strom, wo wir zuerst alleine sind. Später kommt eine polnische Gruppe mit dem Bus zum Grillieren, die aber bei einbrechender Dunkelheit wieder abfahren. Dafür gesellen sich 2 deutsche Ehepaare in ihren Womos zu uns. Sie wollen nach Litauen weiter fahren. Abendstimmung und Wetter sind traumhaft; zum ersten Mal machen wir allerdings mit aggressiven Mücken Bekanntschaft. Fredi möchte auch nach Litauen weiter: … wenn wir schon mal hier sind, und es ist ja nicht mehr weit! So studieren wir Bücher, Reiseberichte und Karten und legen die weitere Route und Sehenswürdigkeiten fest.
Dienstag 26.05.2009 Litauen Wir tanken in Suwalki voll, da in Litauen alles teurer sein soll, und passieren die Grenze bei Budzisko. Wir fahren entlang der russischen Grenze durch landwirtschaftlich genutztes Land. „Individuelle Kühe und Pferde“, die am Strassenrand grasen, erinnern mich an Zeiten in der DDR, wo man sich auf diese Weise Grundnahrung sichern konnte. Häuser wirken sehr ärmlich und verfallen. Ehemalige grosse „Kolchosenbauten“, Stallungen und Scheunen sind verfallen, Tor- und Fensterlos. Als wir in Kybartai  die Abzweigung verpassen und vor der russischen Grenze gelandet sind, sackt mein Herz kurzfristig in die besagte Hose. Doch uns wird freundlich aber bestimmt der Rückweg gewiesen. Schon hier stellen wir die mangelhaften Ausschilderungen fest, die uns auch später noch Ärger bereiten werden. In Kudirkos sehen wir uns russisch orthodoxe Kirchen an. Nach Suppenhalt an einem kleinen See nahe der Memel geht’s über Silute nach Vente, direkt gegenüber der Kurischen Nehrung. Hurra, endlich Ostsee, wenn auch nur ein Haff, doch ich rieche sie, spüre sie auf meiner Haut! Der Campingplatz ist sehr schön und grosszügig. Wir sitzen unterm Sonnendach, Fredi repariert mit einigen Hindernissen sein Fahrrad, er hat einen Schlauch erstanden, der nach einigen Minuten mit lautem Zischen die Luft entlässt; sie haben ihm einen alten, morschen Schlauch angedreht, der gleich neben dem Ventil durchs Pumpen einen Riss bekommen hat. Also lernen wir, dass Flickzeug stets mitzunehmen ist. Nach Grill-Abendessen machen wir einen Spaziergang am Strand, suchen den Vogelbeobachtungs-Unterstand im Naturschutzgebiet, finden ihn total verfallen und vom Wasser weggespült vor. Und bis zum Leuchtturm ist es entlang der Küste durch Gestrüpp und über Bollersteine – beim Eindunkeln verfolgen uns Mückenschwärme - zu weit. So laufen wir auf der Strasse zurück, schauen uns Ried gedeckte Häuser und Storchennester an, freuen uns über Fliederhecken und Akazienbäume, aus denen es munter zwitschert, und geniessen den Sonnenuntergang über der Kurischen Nehrung.
Mittwoch 27.05.2009 Litauen Das Wetter hat umgeschlagen: nach gestrigen 30° ist es jetzt windig, grau und regnerisch. Bei strömendem Regen kommen wir in Klaipeda am Memel-Delta an, finden auch nach einigem Suchen den alten Fährhafen, von wo aus wir ohne WOMO mit der Fähre auf die Kurische Nehrung wollen, um mit dem Bus dieses schmale Dünenparadies anzuschauen. Einige Schulklassen haben heute ihren Wandertag, strömen von der Fähre, andere werden mit Bussen ausgeschüttet und füllen das Fährschiff bis Smeltyne. Sie werden mit dem Zügli zum Museum und Delphinarium gefahren. Wir stehen an der Bushaltestelle und warten vergeblich, sind inzwischen durch Regenjacke und Jeans bis auf die Knochen nass. Die Restaurants haben noch geschlossen. Ziemlich genervt verzichten wir darauf, die Litauische Sahara näher zu erkunden, die uns auf Bildern und in Prospekten schmackhaft gemacht wurde (mich hat natürlich auch gereizt, den Ort Nida und das Thomas-Mann-Haus zu besuchen, das nach 1939 als „Jagdhaus Elchwald“ in den Besitz H. Görings überging). Unser neues Ziel ist Palanga, ein Badeort an der Ostsee mit bekannter Flaniermeile, vorzugsweise von Russen genutzt. Doch bei dem Wetter flaniert niemand; ein paar Hunde verrichten ihre Geschäfte.  Als wir nach einigem Suchen eines geeigneten Stellplatzes für unser WOMO den Botanischen Garten durchquert haben, vor dem beeindruckenden Schloss (des Grafen Tiskevicius  1824, „Klein-Versailles“) stehen und das Bernsteinmuseum besuchen wollen, finden wir um 15.45 Uhr keinen Einlass: es schliesst um 16.30 Uhr; 3 Angestellte schütteln nur den Kopf; sie sind nicht gewillt, auch nur einen Finger zu krümmen und uns wenigstens noch eine ¾ Std. einen Teil der 25‘000 Exponate aus Baltischem Gold bewundern zu lassen! Ziemlich genervt und die Schönheiten dieses alten Parks nur am Rande wahrnehmend kehren wir zum WOMO zurück. Wir haben von Litauen, unfreundlichen Menschen und miserablen Ausschilderungen genug und beschliessen, den nächsten Campingplatz in Lettland anzusteuern. Wir sehen zwar Camping-Hinweistafeln aber finden bei Sventoi keinen Platz, dafür aber einen wunderschönen Weg zwischen Erlen, Föhrenwäldchen und vor Dünen, die uns nur mit wenigen Metern von der Ostsee trennen. Wir kochen und essen gut, gehen bei Sonnenschein am Strand spazieren. So ist dieser schwarze Tag schlussendlich doch noch gerettet. Als wir den Sonnenuntergang fotografieren, hat der Wind tüchtig bis auf 6° zugelegt. Er geht durch Mark und Bein und peitscht Sand ins Gesicht, doch wenn man sich schön in eine Dünenmulde kuschelt, ist das ein unvergessliches Erlebnis.
Donnerstag 28.05.2009 Berg der Kreuze Nur ungern verlassen wir unseren ruhigen, versteckten Platz. Über Salantai fahren wir nach Plateliai am Rande des Nationalparks Zemaitijos. In Salantai besuchen wir die byzantinische Kirche und in Plateliai die russisch orthodoxe Holzkirche. Hier findet gerade eine Beerdigung statt, und wir wollen bei den andächtigen Ritualen nicht stören. Auf teils sandigen und Plattenwegen fahren wir langsam durch den Nationalpark und um die vielen kleinen Seen in der Hoffnung, Elche, Wisente, Falken zu sehen. Eine urwaldartige Moorlandschaft, umgefallene Baumriesen, moosbewachsene Baumstümpfe und Steine lassen uns hoffen; wir starren ins dunkle Dickicht, die Strasse dürfen wir nicht verlassen. Wir haben kein Glück. Dafür finden wir militärisches Gebiet, durch einen rostigen Zaun abgetrennt, das hier mitten im Naturschutzgebiet an Nazi- und Russenpräsenz erinnert. Von hier fahren wir über Telsiai bis Siauliai und biegen auf die 154 zum „Berg der Kreuze“ ab, ein magischer Ort. Die Fülle der Eindrücke hier sind kaum zu beschreiben: Dank, gute Wünsche, Hoffnungen und auch Trauer sind in über 15‘000 Kreuze eingraviert, Geschenke, Schmuck, Bilder zeugen von dem tiefen Glauben der Bevölkerung. Immer wieder haben Nationalsozialisten und Kommunisten diesen Hügel niedergewalzt; in kürzester Zeit haben die Menschen ihn wieder belebt. Wir entscheiden uns kurzfristig, anstatt auf dem Campingplatz bei Siauliai zu bleiben weiter nach Riga bzw. Engure an der Bucht von Riga, ca. 80 km nördlich von Riga zu fahren. Auch auf diesem Campingplatz sind wir alleine: Er ist sauber und weitläufig angelegt; die kleinen Blockhäuschen weisen in Litauen und Lettland darauf hin, dass die Einheimischen ihre Ferien gerne in solchen Häuschen verbringen.
Freitag 29.05.2009 Lettland Riga Besuchstag in Riga, einer Stadt, in der das Leben pulsiert, Geschichte überall präsent ist, die Menschen freundlich, vielsprachig sind und ihr spezieller Humor uns augenzwinkernd begegnet. Man spürt es: ich habe mich in Riga verliebt; mag sein, dass es auch am schönen Wetter liegt, das uns hier beglückt oder an den vielen Studenten, die die Altstadt bevölkern, in Parks oder vor Kaffees, Restaurants unter Sonnenschirmen sitzen. Zum Humor: Die deutschen Kaufleute und Handwerker waren in grosser und kleiner Gilde organisiert (s. Gildenhäuser). Liven und Letten waren nicht zugelassen. So baute ein reicher lettischer Kaufmann, der nicht in die Gilde aufgenommen wurde, gegenüber der beiden Gildenhäuser ein eigenes und setzte aufs Dach eine schwarze Katze, die ihr Hinterteil und den gehobenen Schwanz den „Gildenbrüdern“ zeigte. Diese erwiesen sich daraufhin Kompromiss-bereit, sie würden den lettischen Kaufmann aufnehmen, wenn er die Katze umdrehe! Heute zeigt sie ihr „Füdli“ dem Rathaus.        Auch andere Figuren vor Häusern, auf Türen, an Fassaden oder in den Kirchen lassen den Betrachter immer wieder schmunzeln. Am Abend fahren wir über Yürmala, dem Badeort der Schönen und Reichen, weiter durch Wälder und bunte, gepflegte Dörfer bis zum empfohlenen Camping in Roja „Kempings Plankalei“, der als Ausgangspunkt zum Kap Kolka und dem angrenzenden Nationalpark ideal ist. Der Campingplatz ist sehr einfach („Plumpsklo“), dafür ist es nicht weit bis zum Strand, vorbei an Ferienhäusern, die man mieten oder kaufen kann. In ein Blockhaus habe ich mich spontan verliebt; leider ist es ein bisschen weit weg!      „Zivis“ heisst übrigens nicht „Zivildienst-Leistende“ sondern Räucherfisch.
Samstag 30.05.2009 Küste Lettland Bis zum Kap Kolka sind es nur noch 18 km; doch hier an der nördlichsten Spitze der Riga-Bucht finden wir nur noch ein paar Steine des alten Leuchtturms; der neue steht wellenumspült weit draussen in der Ostsee. Die Windflüchter zeugen von Stürmen an diesem Kap. Auf holpriger Schotterstrasse geht es mit 30 km/h bis Ventpils. Teilstücke der Strasse sind mit EU-Geldern geteert, und wir freuen uns über die Ruhe im WOMO, wenn es nicht schüttelt, was dann plötzlich ganz abrupt wieder von Neuem beginnt. Ventpils ist ein riesiger Umschlaghafen für Öl und Salz, noch mächtig russisch angehaucht; Reihen von Holzhäusern der Arbeiter sollten die reichen Russen in ihren dahinter liegenden Villen vor Sand und Salz schützen. Später kreuzt wirklich ein Elch unseren Weg, doch erst ausserhalb des „Sliteres Nationalparks“. Wir sind so begeistert, dass wir das Fotografieren vergessen. Auf der 111 fahren wir weiter an der Küste entlang durch endlose Wälder, vorbei an kleinen Dörfern bis Liepacha, drittgrösste Stadt Lettlands. Sie war noch 45 Jahre nach dem 2. Weltkrieg unter russischer Besetzung, was heisst, dass die hier wohnenden Menschen die Stadt ohne spezielles Visum nicht verlassen konnten. Die Stadt erholt sich nur langsam; Plattenbauten und übergrosse Denkmäler prägen ihr Gesicht. Vor dem eigentlich avisierten Campingplatz finden wir eine wunderschöne Anlage, unweit vom Strand, wo wir auch gut essen – Fredi findet im Biotop sogar eine Wasserschlange auf einem riesigen Seerosenblatt, die ich zum Glück nicht gesehen habe.
Sonntag 31.05.2009 Schlösser Litauen Wir verlassen „Camping Verbelineki“ und damit auf der 111 auch bald Lettland. Wir fahren direkt über Palanga, Klaipeda, Silute in Richtung Kaunas an der Memel entlang. Hier wollen wir die drei als sehenswert angegebenen Schlösser besuchen. Doch auch diese erweisen sich in Litauen wieder als Enttäuschung: Das erste finden wir nicht (Randoni), vor dem zweiten (Velinona) hat gerade ein Flohmarkt stattgefunden, auf dem sie versucht haben, alte Möbel, Pferdewagen, Ackerbaugeräte… aus dem Schloss zu verkaufen. Anscheinend soll es restauriert werden. Uns bietet sich nur ein entsetzliches Chaos und Staub. Ins Schloss selber war der Eintritt nicht möglich. Bei Seredizius sind wir zum Aussichtspunkt gewandert, haben einen herrlichen Rundblick genossen und sind auf der Strasse vorbei an den ehemals russischen Holzhäusern zum WOMO zurückgekehrt. In Vilkijana finden wir kein Restaurant, um unsere restlichen Litas loszuwerden, und nachdem die Koordinaten im Campingführer für den Platz bei Alytus am Seirija-See nicht stimmen, beschliessen wir, nach Polen zurückzukehren. Litauen hat sich für uns gegenüber Lettland als ziemlich rückständig erwiesen. Hierzu eine Anekdote: In Kaunas wissen sie noch nicht, wie man das besagte Hundesäckli benutzt; sie halten es dem Hund hinten vor, damit der Hund reinscheisst, ein belustigender Anblick. Litauische Bilder wie vor 100 Jahren: Eine Frau drückt mit aller Kraft einen verrosteten Pflug in den Boden, um die Scholle aufzureissen. Ein Mann dagegen hat ein Pferd davor gespannt. Eine schwarz gekleidete Frau am Strassenrand schiebt mit der einen Hand ein Fahrrad, mit der anderen zieht sie an einem Strick eine schwarz-weisse Kuh hinter sich her. Wieder in Polen tauschen wir in einem Kantor unsere Litas in Zlotys und fahren über Sejney nach Wigry zum Camping am Domkloster. Jetzt stehen hier erstaunlich viele Reisemobile, vor allem von Finnen. Das Wasser scheint hier knapp zu sein, und Warmwasser gibt es zum Abwaschen keins.
Montag 01.06.2009 Masuren Wolfsschanze Am Morgen schaue ich mir das Kamadulenser-Kloster näher an. Die ehemaligen Zellen sind zu Hotelzimmern umgebaut. Das Hotel ist bei Künstlern und Schriftstellern sehr beliebt. Die barocke Klosterkirche ist erstaunlich gut erhalten. Die Parkanlage ist wunderschön gepflegt, und man hat einen herrlichen Ausblick auf den Wigry-See. Über Gizycko, Ketrzyn und Gierko begeben wir uns nach Gierloz (Görlitz) zur Wolfsschanze, wo Hitler mit seinem Beraterstamm von 1941 bis 1944 lebte (bis zum Attentat durch die Widerstandsgruppe um Graf von Stauffenberg). Sie wird sehr eindrücklich vermarktet, obwohl sich langsam die Natur darüber senkt. Wir fahren weiter nach Lidzbark Warminsky, wo ich die gotische Burg des ehemaligen Deutschen Ordens besichtige, ein Kastell ähnlich der Marienburg. Fredi bleibt auf dem Parkplatz beim Womo, da uns Umgebung und Herumsitzende auf der Freilichtarena suspekt sind. Unsere Weiterfahrt führt uns nach Frombork auf einen ziemlich verlotterten Campingplatz, auf dem Schulklassen in den Blockhütten ihr Schullager abhalten; wieder kein Warmwasser; es ist feucht und regnerisch.
Dienstag 02.06.2009 Fromberg - Hel Am Morgen schauen wir uns die mächtige, auf einem Hügel thronende Kathedrale an, in der Kopernikus Anfang des 16. Jahrhunderts Domherr war und mit seinen Thesen zur Astronomie das mittelalterliche Weltbild revolutionierte. Besonders beeindruckend sind die die Kathedrale umgebende hohe Mauer, der Innenhof mit dem Bischofpalast, Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, und in der Kathedrale der Hochaltar und die barocke Orgel. Auch hier wie vor der ganzen Anlage befinden sich Statuen des N. Kopernikus. Weiter fahren wir auf einer Holperstrasse an der Küste entlang nach Elblag. Eine Hornisse im Fahrerraum hinter Fredis Kopf setzt vor allem mich kurze Zeit in Panik. Fredi hält an und verjagt sie, bevor es über Elblag-Kanal, Zugbrücken und durch das Weichseldelta weiter geht. In Kadyny existiert noch der grosse Gutshof, auf dem Kaiser Wilhelm II ein Gestüt errichtete und zur Jagd ging. Auch heute sind hier noch 200 wunderschöne Trakkener zu bewundern. Der ehemalige Kaiserpalast ist zu einem Hotel mit allem Wellness-Komfort umgebaut. Mittagspause machen wir in Sztutowo vor einer verfallenen, ausgeplünderten Fabrikhalle. In der Nähe ist das 1. Konzentrationslager (1939, hier wurden hauptsächlich Frauen durch Injektion von Fenol = Experimente umgebracht) zu einem Museum umgebaut. Doch wir wollen weiter auf die frische Nehrung, ein schmaler Landstreifen zwischen Haff und Ostsee, der durch die 3 Vegetationszonen Schilfgürtel, Kiefernwald und Dünen geprägt ist. Das nördliche Ende grenzt bei Priskia an Russland und ist als Bernsteinküste bekannt. Auf dem Campingplatz begegnen uns Wildschweine, die recht aufdringlich sind, weil deutsche Wohnmobilisten sie füttern. Wir bangen um unser feines Fleisch auf dem Grill, doch Fredi verteidigt es. Inzwischen wasche ich ein paar Sachen von Hand und hänge sie auf eine notdürftig gespannte Wäscheleine. Endlich können wir mal draussen sitzen und Sonne geniessen.
Mittwoch 03.06.2009 Hel - Elblag Es regnet in Strömen, die Wäsche ist wieder nass; bei 9 – 11°und böigem Wind in den Dünen an der Sonne liegen können wir vergessen. Deswegen trödeln wir herum, legen die Wäsche im Womo aus und entscheiden, nach Elblag zu fahren zum Campingplatz 61, direkt am Kanal, der sehr gut belegt ist. Doch vorher findet Fredi in bei einem „Vulkanizer“ die Adresse eines Velogeschäftes und Dank GPS finden wir den Weg, und Fredi hat – auch wenn‘s teuer ist, endlich ein brauchbares Vorderrad für sein Fahrrad. Das Rad wird eingesetzt, Freude herrscht. - Wir gehen noch einmal in die Altstadt, mit gut renovierten Häusern im alten Stil; daneben finden wir Ausgrabungen und Baustellen und besuchen die Nikolaikirche. Wir suchen das grosse alte Marktgebäude mit Bazar, doch bis wir dort sind, schliesst es um 18.00 Uhr. In den kleinen Emma-Läden, „Skleps“, finden wir nicht, was wir suchen. Es regnet wieder, und so gehen wir zurück und machen es uns im Womo gemütlich, bzw. pflegen uns endlich in komfortabler und warmer Dusche.
Donnerstag 04.06.2009 Elblag Oberland Kanal Um 6.00 Uhr stehen wir auf, denn wir wollen den Oberlandkanal mit dem Schiff befahren. Drei Schiffe stehen bereit; uns wird die „Pingwin“ zugewiesen, auf dem nur 8 Personen einquartiert sind. Das Wetter macht noch einen guten Eindruck (9°, Sonne, ein bisschen Wind). Auf dem Weg bis Buczyniec passieren wir nach dem See Druzno 5 „Schleusen“ oder besser gesagt Rampen bis zum See Pizurewo: Die Schiffe werden auf eine Wagen geladen, der durch Wasserkraft und Gegenwagen auf Schienen den Hang hochgezogen werden. So überwinden wir 99,3 Höhenmeter auf 9,6 km. Unser Däne vom Campingplatz holt uns und ein deutsches Ehepaar in Buczyniek wie versprochen ab, fährt uns zum Einkaufen ins Leclerc- Einkaufszentrum und erhält dafür pro Person 25 Zlotys. Wir verpflegen uns im Womo, und weil es draussen wieder regnet, machen wir nach den vielen Eindrücken ein Mittagsschläfchen (das erste auf dieser Reise) im warmen WOMO. Sogar Internetanschluss gibt’s auf diesem Campingplatz, auch wenn wir dazu bei 9° draussen sitzen müssen und nach kurzer Zeit steife Finger haben. Beim Chinesen essen wir wunderbar Abendbrot: „Gut Schmeck“!
Freitag 05.06.2009 Elblag - Sotop In strömendem Regen verlassen wir Elblag in Richtung Malbork = Marienburg. Heerscharen von Schulklassen bevölkern den Burgplatz, teilweise in mittelalterlichen Kostümen. Endlose Busreihen spucken Touristen aus. Endlich am Eingang zur Burg angekommen, werden wir zurückgeschickt: zum Ticketverkauf auf der anderen Seite des Vorplatzes; davor Menschentrauben. Uns vergeht die Lust auf Gedränge und Souvenirbuden, und da viele Teile der mittelalterlichen, grössten gotischen Burg mit Baugerüsten und Plachen verdeckt sind, laufen wir einmal um den Komplex, fahren auf die andere Seite der Nogat, von wo wir einen herrlichen Blick  auf die Marienburg haben. Mittag essen wir im KFC und kaufen im Auchan ein. Wir steuern bei Sotop den Campingplatz 67 an; der ist aber noch bis 15.06. geschlossen. Dafür ist der Campingplatz 19 mit holländischen und deutschen Gruppen überfüllt, aber sauber und gut. Wir finden ein Plätzchen und machen noch einen Spaziergang nach Sotop zur Promenade und zum Strand. Hier treffen wir auch das deutsche Paar wieder, mit dem wir in Elblag zusammen waren, und Schweizer von Adliswil, denen ich meinen Führer Baltikum ausborge, weil sie auch an der Küste entlang bis Riga fahren wollen. - Nach feiner Rindshaxe steigt Fredis Laune wieder!
Samstag 06.06.2009 Danzig Wir machen mit dem Zug einen Ausflug nach Danzig, der Königin des Baltikums. Das Wetter ist sonnig und verschönt unsere Altstadttour. Danzig ist nach totaler Zerstörung wieder „nachempfunden“ aufgebaut. Wir staunen über Patrizierhäuser in allen Farben, die „Dluga“ mit den vielen – unerschwinglichen – Bernsteinläden, an dessen Auslagen ich mich nicht satt sehen kann, besuchen die Marienkirche, die grösste Backsteinkirche der Welt, bewundern nachgebildete alte Segelschiffe, das berühmte Krantor, Markthallen, wandern an der Mottlau, einem Nebenarm der Weichsel, entlang und geniessen mit Blick auf den Fluss, an der Sonne sitzend unser Mittagessen: Krebssuppe und Piroggen. Auf dem Rückweg machen wir in der Nähe des Bahnhofs einen Zwischenhalt und schauen dem regen Treiben zu. Ein wirklich eindrücklicher und lohnender Ausflug.
Sonntag 07.06.2009 Danzig - Leba Wir fahren über Gdynia nach Wladyslawowo, dem polnischen Nordpol, und auf die Halbinsel Hel. Hier unternehmen wir eine Wanderung durch den endlosen Föhrenwald, vorbei an allen möglichen militärischen Anlagen aus Kriegszeiten, zum wunderschönen Leuchtturm und von dort zur Ostseeküste. Der Wind bläst hier recht stark und lässt uns bald wieder den Rückweg antreten. Nach kurzem Mittagessen auf dem Parkplatz fahren wir an der Küste entlang, vorbei am Zarnowiecki-See auf Alleenstrassen, durch Raps- und Kornfelder und fette Weiden. Bei den meisten der Alleenstrassen hat man das Kopfsteinpflaster zugeteert, die Bäume teilweise auf einer Seite gefällt, um die Strassen zu verbreitern; doch Schlaglöcher, Riesen-Pfützen erschweren das Fahren auf diesen unsachgemäss ausgebauten Strassen. Wir erreichen Leba und Camping Lesny51, ziemlich spät. Die Leute sind sehr nett, erklären mir noch die Waschmaschine, und ich darf den privaten Tumbler benutzen. Doch weder Waschmaschine noch Tumbler schleudern recht. So hänge ich um 22.30 Uhr die Wäsche unter der Marquise auf. Das ist mein 2. Waschversuch, ziemlicher Frust. Der Platzwart entschuldigt sich am nächsten Tag: „Neue Elektrolux-Maschine, Programm schon wieder kaputt; hat wohl jemand wieder falsch herum gedreht.“
Montag 08.06.2009 Leba Dank Fredis repariertem Fahrrad können wir nun endlich diese auch nutzen: wir fahren zur „polnischen Sahara“ durch Leba, am Hafen vorbei, auf einem Fahrradweg durch Kiefernwälder bis zu den Wanderdünen = Slowinzischer Nationalpark und Biosphärenreservat der UNESCO. Hier parkieren wir unsere Räder und stapfen durch die Dünen, die 42 bis 47 m hoch sind. (Hier hat Rommel übrigens seine Soldaten für den Afrika-Feldzug trainiert.) Wieder begegnen wir Schulklassen, die sich auf Kommando die Dünen hinunter rollen oder gewaltige Sprünge wagen, (was mich wieder an meine Kindheit und Baden in Lubmin erinnert). Mich lockt es, so schnell wie möglich über den Rand der Dünen zu gelangen und die Ostsee auf der Haut zu spüren. Da die Sonne scheint, geniessen wir diese Eindrücke, im Sand und den Dünen liegend, vor uns die Wellen der Ostsee. Rückweg durch die Dünen, die sich jedes Jahr um ca 11m landeinwärts bewegen und einen Teil der Heide oder des Kiefernwaldes unter sich begraben, und dann mit dem Fahrrad zurück zum Campingplatz. Wir kommen gerade vor nächstem Gewitter und Sturmböen an, Wäsche ab, Marquise eingefahren und sitzen dann im geheizten Womo und trocknen uns und die Wäsche. Da Camper, die schon seit Jahren auf diesem Campingplatz für 3 Monate logieren, uns kein Restaurant in Leba empfehlen können, gibt’s mein Geburtstagsessen im Womo: russ. Sekt und Aal zur Vorspeise, Spiegeleier und Bratkartoffeln und eine gute Flasche Rotwein… ein gelungenes Geburtstagsfest: danke Fredi, dass du mir zu Liebe den Drahtesel und die Dünen bezwungen hast. Dieser Ca-Platz ist sehr empfehlenswert, da gepflegt, Leute nett, wenn auch als Ausgangspunkt zu den Wanderdünen etwas abgelegen; im Duschraum war ich ganz alleine.
Dienstag 09.06.2009 Leba - Dziwnowell Wir verabschieden uns vom Campingplatzbesitzer, nachdem wir geputzt, gepackt und im Hafen Fisch gekauft haben. Er wünscht uns „Gut Schtrass!“, was wir uns natürlich jeden Tag aufs Neue wünschen! Wir fahren an der Küste entlang nach Ustka, wieder über Alleen-/Holperstrassen: ein gut erhaltenes Fischerdorf mit Kapitänsviertel, dann noch Kolberg / Kolobrzeg. Auch hier am Leuchtturm finden wir wieder nachgebaute Wikingerschiffe, die zu Törns einladen. Wir haben Glück, dass der Ort noch nicht gänzlich in der Vorsaison vom Tourismus heimgesucht ist. Aber man spürt ihn schon: viele Souvenirbuden-, Textilstrassen locken deutsche Touristen mit Billigangeboten. Rentner nehmen durch Carreisen diese Angebote wahr. So auch in Darlowo und Darlowko. Die Fülle der Strassen und Angebote lässt mich flüchten. Beim wunderschönen Leuchtturm und der Strandpromenade peitscht mir der Wind Sand in alle Ritzen, doch ich liebe das. Fredi ist wohlweisslich im Womo geblieben, in dessen Wärme auch ich mich nach einiger Zeit wieder begebe. Gewitter, Regen, Aquaplaning bewegen uns, den Campingplatz Wiking in Dziwnowell, an der Ostsee im Schutz eines Föhrenwaldes gelegen, aufzusuchen. Ich mache noch einen ausgedehnten Abendspaziergang am Strand, wohl der letzte für dieses Jahr an der Ostsee, ganz sicher aber in Polen.
Mittwoch 10.06.2009 Dziwnowell - Rügen Wir haben erfahren, dass von Swinemünde eine Fähre für Ausländische Fahrzeuge nach Usedom fährt. Diese wollen wir nehmen. Eine Stunde Wartezeit, da sich 150 Lastwagen und Autos eingereiht haben und 75 Fahrzeuge auf die Fähre passen. Die Überfahrt ist kurz. Wir suchen Tankstelle und Einkaufszentrum im polnischen Teil und fahren über Anklam auf die neue Autobahn Richtung Stralsund. Telefonisch versuche ich meine Schwester zu erreichen, da die Autobahn über Grimmen und Greifswald führt; doch ich erreiche niemanden. Die neue Brücke von Stralsund nach Rügen reizt uns, und in Altefähr erinnere ich mich an Erlebnisse von vor 40 Jahren. Inzwischen hat sich Altefähr zu einem Bade-, Segler- und Surferort entwickelt. Bei einem Eisbecher erfahren wir, dass im Mai schönstes Sommerwetter herrschte, jetzt wegen Kälte- und Regeneinbruch die Gäste wegbleiben. Der Campingplatz ist geschlossen, so fahren wir weiter bis Stabrode. Der Campingplatz liegt neben dem Fährhafen nach Hiddensee. Nach dem Abendbrot schauen wir dem Schiffsverkehr vom Strand aus noch ein Weilchen bis zur untergehenden Sonne zu.
Donnerstag 11.06.2009 Rügen - Northeim Über Bergen geht es zurück zum Hafen von Stralsund. Leider verdecken die Baustelle für das Ozeanum und der Riesenbau den Blick auf die berühmte Kulisse mit den 3 Kirchen. Aber das Schulschiff Gorch Fock liegt frisch renoviert im Hafen. Telefonisch avisieren wir unsern Überfall in Grimmen. Bei Sekt, Kaffee und Kuchen und einem Rundgang durch Ekas neues Heim vergehen zwei gemütliche Stunden wie im Flug. Doch wir müssen weiter – über Hamburg hinaus, denn morgen wollen wir in der Schweiz zurück sein. Schön, dass auch Sybille kommen konnte. Leider reichte die Zeit für einen Besuch bei Karsten und Doris nicht mehr. Wind, Regen und Staus machen die Fahrt nicht gerade gemütlich. Doch wir erreichen am späten Abend die Northeimer Seenplatte (54°43.723 / 9°57.671) und den gewünschten Stellplatz. Nur noch ein Bierchen im Restaurant - und schlafen!
Freitag 12.06.2009 Northeim - Sirnach Bis nach Sirnach sind es noch 637 km, was bei besserem Wetter ohne grosse Zwischenhalte bis am Nachmittag zu bewältigt ist. Die üblichen Arbeiten wie ausräumen, putzen, entsorgen …. beschäftigen uns auch den nächsten Tag, bevor Fredi weiter nach Neuenburg fährt, denn seine Arbeit ruft, und darauf freut er sich unheimlich!!! Total-km 6‘469